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SUBSTRAT

SUBSTRAT · substrate-artefakt

Europa schwächelt bereits eine Weile vor sich hin. Wirkt wirtschaftlich angeschlagen im Schraubstock zwischen Far-East und Far-West.

Nvidias Boss investiert gönnerisch in ein paar Start-Ups, nachdem er Deutschland einen Seitenhieb austeilte. Deutsche Autos laufen nicht mehr so wie früher. Der Staat zittert vor den Haushaltsdebatten.

Alle wollen neue Investitionen, neue Start-Ups, neues Fremdkapital. Ob für Wohnraum, ob für neue Steuereinnahmen, ob für technologisches Aufschließen.


Aber vielleicht ist das alles etwas monokausal und gar nicht so richtig.

Unsere Gesellschaft ist darauf optimiert, aus angestellten Beschäftigten zu bestehen. Wir lieben die Sicherheit, ob in Form einer Versicherung oder der Rente. Wir wollen Fachpersonal, nicht Bildung. Wir suchen Konsens und belohnen Mittelmäßiges.

Helfen uns Start-Ups? Ein paar mehr Unicorns?

Ich glaube nicht.


In einer offenen, der Zukunft zugewandten Gesellschaft, die ihr Potential schützen und ausbauen will, da geht es immer auch um das SUBSTRAT.

Unser SUBSTRAT können nicht die 1-4 Eliteunis sein. Nicht die wenigen VWs. Nicht die Unicorns. Sie schaden nicht. Nein, keineswegs. Aber nützen tun sie auch nicht.


Wir können nur in das SUBSTRAT investieren. In die Menge aller. In die Vielseitigkeit. Die individuellen Stärken des Einzelnen. In den vielstimmigen Diskurs. In soziale Innovation.

Unsere Innovation ist schon immer damit verbunden gewesen, kulturelle Differenzen aus vernünftigen Gründen zu überwinden. Eine Identität in der Heterogenität verschiedener Nationen zu erkennen. Das frühe Bürgertum hat es vermocht — etwa in Köln — alten Herrschaftsideen etwas entgegenzusetzen. Als Grundlage für das Florieren aller Belange.

Heute, ein paar Hundert Jahre später, geht es wieder darum, in Zukunft zu investieren. Die Erzählung von Eliten, Rockstars, Unicorns wirkt hier adaptiert und kulturell nicht schlüssig.


Dezentrale (ehem. föderal gedacht) Infrastrukturen für Kultur, Bildung und Innovation sind nötig, die den Einzelnen maximal unterstützen, nicht hindern. Wir benötigen nicht Geld für 1-2 Leuchtturmprojekte, die uns allesamt Dankbarkeitsverpflichtungen auferlegen, sondern wir müssen tatkräftig am souveränen Nährboden arbeiten, der aus dem vielfältigen Potential freier Menschen besteht.

Dass eine Handvoll Konzerne noch keine funktionierende Wirtschaft machen, zeigt sich dann, wenn es um die Zukunft der Arbeit oder Rente geht. Der Mittelstand war schon immer wichtiger als der Konzern, das Bürgertum schon immer findiger als die Elite. Heute müssen wir neue Infrastrukturen denken und nicht allein einer thielschen Silicon-Valley-Propaganda auf den Leim gehen, die uns bislang nur in eine technologische Abhängigkeit katapultiert hat.

China als Exportmarkt und Russland als Gaslieferant — all das sind längst widerlegte Hirngespinste, gescheiterte Experimente, doch an den logischen Schlussfolgerungen muss noch hart gearbeitet werden.

Schauen wir uns um, sehen wir rechte und zukunftszersetzende Kräfte am Werk, gegen die man sich längerfristig durchsetzen können muss. Nicht nur von Wahl zu Wahl. Der Kampf um Zukunft ist es, dem man begegnen muss.

Das SUBSTRAT für diese Zeit sind keine Agendapunkte aus den 80ern, keine gönnerhaften Investitionen von Nvidia und auch kein einzelnes Unicorn.

Wir müssen sozio-kulturelle Innovation auf die Tagesordnung setzen, unser Denken entmuffen und die atomaren Bestandteile unserer Gesellschaften - den einzelnen Bürger — befähigen positive und wirkungsvolle Beiträge zu leisten. Gegen Disruption hilft nur Evolution. Es wird Zeit, die Vergangenheit zu verlassen.

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